Titel

 

...:::: AUF DER SUCHE NACH DER FATA MORGANA ::::...

Eine Maghreb-Reise nach Tunesien, wo das
»Seepferdchen mit seinem Hinterteil im Sand badet«

Wer nach Tunesien fliegt, nur um an einem der schönen Strände am Mittelmeer zu liegen, etwa im traditionellen Urlaubsort Hammamet im Nordosten des Landes oder auf der Insel Djerba, dem wird ganz und gar entgehen, daß er sich im Land der Berber, der Steppen, der Salzseen und Wüsten befindet. Du würdest die grünen Oasen mit ihren fröhlichen Kindern nicht erleben und du könntest dich auch nicht inmitten einer blassblauen, einsamen Landschaft unter gleissender Sonne von einer Fata Morgana täuschen lassen.

Das nördlichste Land Afrikas im Osten des Maghreb ist etwa doppelt so groß wie Österreich und hat über 8 Millionen Einwohner. Es ist fruchtbar und bergig im Norden, dann beginnt die Steppenlandschaft und weiter südlich die Wüstensteppe, wo das Land von den gewaltigen Schotts, den Salzseen, in zwei Hälften geteilt wird, und von da an die eigentliche Wüste. Die Sahara heißt übrigens auf Arabisch das »wasserlose Meer«.

Auf dem Salzsee Schott el Djerid
Wir sitzen mitten auf dem Salzsee: Hinter uns die endlose Weite des Schott el Djerid


Tunesien wurde sehr treffend einmal so beschrieben: Es sieht aus wie ein Seepferdchen mit dem Kopf im Grünen, das mit seinem Bauch im Wasser liegt und sein Hinterteil im Sand badet.

Wer sich nicht gleich dem Seepferdchen mit dem Bauch ins Wasser des Mittelmeers legt, wird den »Kopf« nach der Landung in Tunis schnell hinter sich lassen, um sich ausgiebig dem »Hinterteil«, der faszinierenden Steppen- und Wüstenlandschaft, zuzuwenden.

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Im uralten Café des Nattes in Sidi Bou Said

Zuvor aber noch schnell ein kurzer Abstecher von Tunis in das nahegelegene andalusische Dorf Sidi Bou Said, das schon seit dem 18. Jahrhundert als Künstlertreff gilt und seit 1915 unter Denkmalschutz steht: Mit seinen weißgekalkten Häusern, blauen Türen und Fensterläden wurde Sidi Bou Said hoch oben auf den Felsen des Kap Karthago vor 80 Jahren auf Bildern von Paul Klee, August Macke und Louis Moillet verewigt.

Ich fühle mich in ihre Zeit zurückversetzt, wenn ich wie sie im berühmten, uralten Cafe des Nattes auf einer Matte sitze und heißen, picksüßen Pfefferminztee schlürfe, auf dem Pistazien schwimmen, oder einmal an der Wasserpfeife zutzel.

Auf dem Weg in die Wüste wird mir bewußt, warum das moderne Tunesien heute um seine Identität ringt. Seine ursprünglichen Bewohner, die Berber, mußten sich seit Jahrtausenden immer wieder fremden Eroberern unterwerfen, die ihre Spuren und ein buntes Völkergemisch hinterlassen haben.

Der Reisende begreift erst dann dieses Land, wenn er die Städte und Dörfer mit ihren geschäftigen Bewohnern, Souvenirhändlern und Touristen hinter sich gelassen hat; wenn der von einem wortkargen einheimischen Fahrer in Wüstenkleidung gesteuerte Geländewagen von Sbeitla mit der berühmtesten antiken Sehenswürdigkeit, dem Ruinenfeld der römischen Stadt Sufetula, weiter in Richtung Algerien durch das Steppenhochland fährt und endlich in der Bergoase Tamerza hält.

Hier gedeihen die besten Datteln Tunesiens, die »Finger des Lichts«. Und im Schatten der Dattelpalmen wachsen üppig Obstbäume, Bananen und Oliven, darunter werden Gemüse, Tabak und Getreide angebaut.

Das kostbare Wasser fließt in der Oase in Felsenschluchten, falls es nicht schon vorher zur Bewässerung abgezweigt wurde. Da und dort bilden sich Mini-Wasserfälle, in deren feuchter Kühle Kinder jauchzend plantschen.

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Durch das Schott el Djerid

Später, auf der Fahrt durch den eindrucksvollen Schott el Djerid, einen Salzsee, staunt der Reisende, daß diese fremdartige, einsame Landschaft mit ihrer bläulich schimmernden Salzkruste so fasziniert. önnen dem Reisenden aber auch gefährlich werden, wenn er mit seinem Fahrzeug die sichere Dammstraße verläßt.

Karl May, der selber nie dort gewesen ist, warnt in seiner Reiseerzählung »Sand des Verderbens«:

». . . in der Mitte des Schotts hat sich eine beträchtliche Wassermasse erhalten. Diese ist von einer Salzkruste bedeckt, unter der das hellgrüne Wasser keinen ganzen Meter tief unvermischt bleibt, und dann folgt bis zu einer Tiefe von fünfzig und noch mehr Metern ein mehlartiger, flüssiger Sand, der alles, was durch die salzige Kruste bricht, lautlos und mit teuflischer Sicherheit festhält und begräbt.«

Auf der Überfahrt taucht links und rechts am Horizont immer wieder eine Fata Morgana auf. Spiegelt sich da nicht auch der kleine Souvenirladen wider, den wir nach einer kurzen Rast gerade hinter uns gelassen haben?

Wieder auf festem Boden in der Wüste, wo Berberzelte stehen, oder in den Dörfern mit ihren unterirdischen Höhlenwohnungen, da fühle ich, dass ich mir viel mehr Zeit für dieses wunderbare Land nehmen sollte.



Flagge Tunesiens
Tunesiens Flagge


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