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...:::: MAROKKO UND DAS TOR DER SAHARA ::::...

Steinwüste in Marokko
Marokko: Eine malerische Steinwüste soweit das Auge reicht. Hinter mir das Atlasgebirge, vor mir Marrakesch.

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»Ein Steinhaufen am Atlantik, in dem man nicht baden kann«, so ätzt ein Pessimist im kalten, nebeligen Linz über Agadir im südwestlichen Marokko. Doch dort herrschen im Winter sommerliche Temperaturen und die ersten Winterflüchtlinge schlüpfen selig in kurzärmlige T-Shirts. Nach einem fünfstündigen Nonstopflug von Wien nach Agadir muß ich mich allerdings erst an das afrikanische Klima gewöhnen und es wird gut sein,  seine blasse Haut nicht gleich der Sonne auszusetzen.

In Agadir blieb nach einem furchtbaren Erdbeben im Jahr 1960 kein Stein auf dem anderen. Beinahe die Hälfte der damals rund 35.000 Einwohner starb unter den Trümmern ihrer Häuser. Doch die neue Stadt Agadir, etwas weiter südlich erbaut, hat sich inzwischen zu einem pulsierenden Zentrum entwickelt. Fischkonserven und Mineralien bringen Geld ins Land, und auch die Touristen. Der neun Kilometer lange Sandstrand, der schönste Marokkos, ist ein wahres Badeparadies.


Wir haben alles, was sich ein Tourist nur wünschen kann

Von den Franzosen, die das Land bis 1956 besetzt hatten, übernahmen die Marokkaner viel Lebensart und die meisten sprechen auch Französisch. »Wir haben alles, was sich ein Tourist nur wünschen kann«, schwärmt der Präsident des Stadtsenats von Agadir. »Einen kilometerlangen Sandstrand, Sonne das ganze Jahr, Wüste und Oasen, gute Straßen, auf denen man schnell ins Landesinnere gelangt. Aber wir haben ein Problem: Wir wissen nicht, wie wir unsere Gäste unterhalten sollen.«

Diese Sorge dürfte eher unbegründet sein, denn für Leute, die auf Unterhaltung aus sind, ist Südmarokko ohnehin nicht das geeignete Urlaubsziel. Wir nehmen gerne eine vierstündige Autofahrt in Kauf, um in Goulimine, dem »Tor der Sahara«, den Kamelmarkt zu sehen. Es heißt früh aufstehen in Agadir, denn die Männer aus der Wüste kommen mit ihren Kamelen und Ziegen, mit ihrem Silberschmuck und ihren alten Waffen schon kurz nach Sonnenaufgang auf den Kamelmarkt. Wenn um Mittag die Sonne im Zenit steht, ist der Marktplatz schon wieder leer. Behutsam nähern wir Europäer uns hier den bärtigen, vermummten Wüstensöhnen. Sie sind zum Teil blau gekleidet wie die legendären blauen Männer vom Stamme der Tuareg. Und sie sind so scheu, dass sie oft ihr Gesicht bedecken, wenn sie merken, dass sie beobachtet werden.

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Marokko: Auf dem Kamelmarkt in Goulimine

Kamelmarkt in Goulimine

Hier verkaufen die scheuen Wüstenmänner ihre Kamele und Ziegen, Schmuck und alte Waffen. Und natürlich werden Neuigkeiten ausgetauscht oder es wird über Ereignisse debattiert. Sie kommen bei Sonnenaufgang und verschwinden wieder, wenn zu Mittag die Sonne im Zenit steht. Es heißt also früh aufstehen.

Schmuckverkäufer


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Oase Amtouri: Wo dir die Kinder die Hände küssen


Von Goulimine aus fahren wir mit Jeeps eineinhalb Stunden lang holpernd über Wüstensand und Steine, um die Speicherburg in der Oase von Amtouri zu sehen. Es tut gut, nach dieser eher ungemütlichen Fahrt in Hitze und Staub in dieser grünen Oase zu landen.Fahrt von Goulimine nach Amtoudi Einst von Portugiesen erbaut und bis vor kurzem von den Berbern noch als Hort für Nahrung und Waffen verwendet, thront die riesige Speicherburg hoch oben über den hingeduckten Häusern des weißen Dorfes, kurz vor einer Schlucht des Anti-Atlas-Gebirges.

Maulesel tragen uns leichtfüßig den steilen Pfad hinauf zu den imposanten Mauern der Burg, von der aus der Blick weit in das Wüstental hineinreicht.

Ein alter Berber, mindestens 80 Jahre alt, haust hier als Burgherr, der in seinem Reich akribisch darauf achtet, dass keiner der Besucher etwas anrührt. Der riesige Schlüssel, mit dem er das alte Holztor schweigend und sorgfältig nach unserem Besuch wieder absperrt, ist aus Holz und uralt.

Unten im Dorf lachen uns Kinder an und plaudern in Französisch oder Englisch, das sie in ihrer kleinen Schule lernen. Streckt man ihnen die Hand hin, ergreifen sie sie schnell und küssen sie ehrfürchtig. Für uns eine sehr ungewöhnliche Reaktion. Die Berber erziehen ihre Kinder streng nach alter Tradition und sehr konservativ. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Wir werden zum Essen eingeladen. Der große Raum dient normalerweise Versammlungen und Frauen haben den mit Teppichen ausgelegten Boden hier noch nie betreten. Wir aber dürfen hinein. Nur Männer in weißen Burnussen sind zu sehen. Ihre Frauen halten sich nach alter Tradition in ihren Häusern auf und lassen sich nicht blicken.

Man hat für uns zwei Hammel gebraten. Dazu trinken wir köstlichen Pfefferminztee. Mit den Fingern werden die heißen Fleischstücke von dem Lamm am Spieß heruntergerissen, es gibt kein Besteck.

Unser Gastgeber zeigt uns, wie man Kuskus, den dicken Brei aus Mais- und Weizengries, mit der Hand ißt: Er formt flink mit nur einer Hand aus dem dampfenden Getreide einen kleinen Knödel und schiebt ihn unversehens seinem Nachbarn in den Mund. Und für mich zupft er das fette Lammfleisch herunter, weil das eine ganz besondere Köstlichkeit ist. Nur: ich mag absolut kein fettes Fleisch, sorry...

Als uns nachher erzählt wird, dass die Frauen von dem Essen das bekommen, was wir übriggelassen haben, schämen wir uns fast, dass wir nicht nur ein wenig gekostet haben von allem, sondern regelrecht gefuttert, weil es uns so gut geschmeckt hat.

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Dann wird getanzt, geklatscht, getrommelt und gesungen


Ein Gefühl der Zuneigung zu diesen Menschen begleitet uns noch lange auf dem Rückweg durch die Wüste nach Agadir, in die auch schon geschäftig und hektisch gewordene Stadt.

Junge Berberfrauen

Marokko: Die schönen Berbermädchen sind nicht verschleiert.
 Unter einem Zeltdach singen sie für uns und klatschen dazu.

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Marokko: Zwei Impressionen aus Marrakesch

kleiner Schlangenbeschwörer  Souk in Marrakesch

Links ein kleiner Schlangebeschwörer, dem die Herzen der Zuschauer (und natürlich auch Geldstücke) zufliegen, rechts ein Souk. Über Marrakesch schreibe ich hier nicht, denn über diese bunte und quirlige laute Stadt sind ohnehin überall schöne Berichte zu lesen und schon fast alltäglich auf Reiseseiten.


Flagge Marokkos
Flagge Marokkos

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