Titel

DAS WAR DIE »GUTE, ALTE ZEIT«

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Hier berichte ich nach und nach über die »gute, alte Zeit« wie ich sie erlebt habe. Wie wir Kinder aufgewachsen sind, wie Wäsche gewaschen wurde, was wir gespielt haben, was uns gefehlt hat und was nicht. Wie wir von unseren Eltern erzogen wurden und dass Schläge dazugehörten. Wenn es dich interessiert, dann schau öfter vorbei. Ich werde dann und wann wieder etwas schreiben und auch Fotos dazustellen.

Wir Kinder in der »guten, alten Zeit«


Es gab nicht viel, als wir Kinder waren. Es gab noch kein Fernsehen und schon gar keinen Computer. Ein winziges Radiogerät hatten wir in den Fünfzigerjahren. Allerdings war das nur für die Eltern zum Nachrichtenhören.

Wir hatten genug zu essen und wenig zum Anziehen. In die Volksschule gingen wir oft barfuß, aber das empfanden wir nicht als arm. Auch andere Kinder gingen barfuß. Erst in der Hauptschule gab es Unterschiede zwischen »normalen« Schülern und A-Schülern. Das A stand für arm. Und die A-Schüler bekamen gebrauchte Bücher. Entsprechend sahen sie aus. Wir mußten sie sorgsam behandeln, weil sie nach dem Schuljahr wieder andere A-Schüler erhielten. Wie gerne hätte ich damals einmal ein neues Schulbuch gehabt, das nur mir gehört!

Meine Eltern waren sehr sparsam. So sparsam, dass wir Kinder am Schulanfang fast nie ein neues Schulheft bekamen. Die Mutter schnitt die übriggebliebenen, unbeschriebenen Blätter aus den alten Heften vom vorigen Schuljahr, nähte sie seitlich zusammen und versah sie mit einem Umschlag. Einige neue Hefte mußten später dennoch gekauft werden. Aber wir mußten erst die zusammengenähten aufbrauchen.

Meine Geschwister und ich waren nach dem Aufgabenmachen immer draußen und spielten, bis die Sonne unterging. Uns fehlte nichts. Und wir hatten Spaß.

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Wir Kinder beim Spielen

August 1951: Wir spielen immer draußen auf der Wiese, bis die Sonne untergeht.
Auf dem Foto: links meine Schwester Wilfriede (11), mein Bruder Gernot (7), Traudi von den Nachbarn und ich (12). Unten unser noch unfertiges weisses Haus.



ES GAB NUR KALTES WASSER ZUM WASCHEN


Zuhause hatten wir kein warmes Wasser, es gab nur eine einzige Wasserleitung in der Küche über einer großen Spüle. Dort wuschen wir uns, dort putzten wir uns die Zähne und dort wurde auch das Geschirr abgewaschen, mit auf dem Herd erwärmtem, heißen Wasser.

Auch eine Badewanne stand in der Küche. Sie war mit einem Holzbrett abgedeckt, das unter der Woche als Arbeitsfläche diente. Am Samstagabend wurde der fast zwei Meter hohe Badeofen mit Holzscheitern angeheizt. Dann badete jeder von uns. Das war für uns alle ein schöner Abend! Und nachher gab es immer heißen Tee und Würstchen mit Brot zum Abendessen. Einfach ein wundervoller Abend!


WASCHTAG OHNE WASCHMASCHINE


Eine Waschmaschine gab es nicht. Ich weiß nicht, ob andere Leute damals schon eine Waschmaschine besaßen. Vater hatte unten im Keller einen riesigen Wäschekessel in eine Betonumrandung eingemauert. Der war zum Anheizen und zum Auskochen der Wäsche.

Alle vier Wochen war Waschtag angesagt. Die Mutter begann den Waschtag bereits um fünf Uhr früh und wenn wir von der Schule heimkamen, mußten wir natürlich auch helfen: Wäschestücke im Wassergrander aus Beton schwemmen und auswringen. Die Mutter lehrte uns eine besondere Technik, damit wir auch Bettwäsche auswringen konnten. Und dann Wäsche aufhängen. Als wir zu Bett gingen, arbeitete die Mutter meist noch bis Mitternacht weiter. Es war ja in den vier Wochen ein Haufen Wäsche von den sechs Familienmitgliedern zusammengekommen. Und für uns Kinder bedeutete der Waschtag nur, daß die Mutter grantig und unansprechbar war und wir uns das Essen selber wärmen mußten.

Warum nicht öfter oder zwischendurch gewaschen wurde? Nun, das Anheizeh des Waschkessels dauerte schon eine geraume Weile und es lohnte sich anscheinend nur, dieses Procedere einmal im Monat durchzuführen. Wir Kinder hatten uns aber schon damals gefragt, warum Mutter nicht schon nach zwei Wochen Waschtag machte. Da hätte sie nur die halbe Arbeit gehabt und sich nicht so abplagen müssen. Denn eine Plagerei war es in jedem Fall. Und auch im Winter wurde die Wäsche draußen aufgehängt, da gab es klamme Finger.

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AN DEN WÄNDEN WAR DICKES EIS

Im Winter war die einzige Wärmequelle im ganzen Haus ein Ofen im Wohnzimmer, der mit Holz oder Kohle geheizt wurde. Alle anderen Zimmer blieben kalt. Ebenso die Schlafzimmer.

Ich hatte mit meiner Schwester zusammen ein winziges Schlafzimmer, meine zwei Brüder hatten auch eins. In der Nacht stand das Fenster immer weit offen, auch im Winter selbst bei minus 20 Grad Kälte. Das hatten uns die Eltern so anerzogen. So kam es oft vor, dass am Morgen die Bettdecke vom warmen Atem vereist war und dass sich an der Wand neben dem Bett eine dicke Eisschicht gebildet hatte. Ich kratzte manchmal vor dem Aufstehen mit den Fingernägeln Buchstaben oder Figuren hinein...


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