Titel

DAS WAR DIE »GUTE, ALTE ZEIT«

...:::: 2 ::::...

EIN ANFANG MIT DUNKLEN VORZEICHEN


Es heißt immer, Kinder suchen sich ihre Eltern, ihre Familie aus. Und auch den Zeitpunkt ihrer Geburt. Ich glaube nicht, dass ich mir den Zeitpunkt meiner Geburt ausgesucht habe. Vielmehr mußte ich sozusagen eine Lücke füllen, die durch den Tod eines kleinen Mädchens entstanden ist. Und ich wurde ins Leben geschickt zu einem äußerst ungünstigen Termin.

Zur Welt kam ich am 26. Mai 1939. Einen dunkleren Zeitpunkt hätte ich mir nicht aussuchen können: Kurz vor meiner Geburt gab es eine Familientragödie und kurz nach meiner Geburt eine große Tragödie, da begann der 2. Weltkrieg. Hineingepreßt zwischen diese Tragödien startete ich mein Dasein.

Irgendwann als Kind fiel mir einmal auf, dass ich öfter traurig war als meine Geschwister, und auch öfter als sie weinte. Manchmal glaube ich, dass die Traurigkeit schon in mich eindrang, als ich noch im Mutterleib steckte, denn zwei Monate vor meiner Geburt starb das zweite Kind meiner Eltern, ein Mädchen im Alter von 9 Monaten, an plötzlichem Kindstod.

Für meine Mutter - gerade im siebten Monat mit mir schwanger - war das ein ungeheurer Schock, als sie am Morgen mit dem Fläschchen ins Kinderzimmer kam und sich wunderte, dass Dietlinde noch schlief. In Wirklichkeit lag die Kleine tot im Bett. Die Trauer und der Schmerz meiner Mutter waren sehr groß und ich litt in ihrem Bauch mit. Wie sollte sie sich denn nun auf das Kind freuen, das gerade dabei war, ihrem toten Kind nachzufolgen? Auf mich?

So wurde ich also das zweite Kind nach meinem um 3 Jahre älteren Bruder Siegfried. Nach mir kamen 15 Monate später noch meine Schwester Wilfriede und vier Jahre später noch mein Bruder Gernot in die Familie.

mit Mutter und Siegfried

Ich bin ein Jahr alt. Ich sitze auf Mutters Schoß, daneben steht Siegfried, vier Jahre alt. Vom vielen Grießbrei, der mir gefüttert wird, bin ich rund geworden. Die Mutter ist eine schöne Frau, finde ich. Dieses Foto ließ sie für Vater zu dessen 37. Geburtstag machen und schickte es ihm an die Front. Es ist ein wenig zerknittert, denn er trug es während des ganzen Krieges und während der Gefangenschaft immer bei sich.

 

   top   
zurück     weiter

back homeNews Portal im AllMond Award


dotti Mondfrau dotti Impressum dotti Kontakt dotti

MONDFRAU 2006 -