titelneu.gif


DER ABSTURZ DER LAUDA-BOEING IN THAILAND MIT 223 TOTEN AM 26. MAI 1991



2.gif

Die ersten "Helfer" plündern an der Absturzstelle

Betroffenheit herrscht in Thailand nach dem Absturz des Lauda-Jets am 26. Mai 1991 in der nordwestlichen Provinz Supan Buri. Am Unglücksort in der Nähe des Dorfes Dan Chang baut man jetzt ein Totenheiligtum mit Pagode und Geisterhäuschen für die 223 Opfer des Flugzeugabsturzes. Finanziert wird diese Gedenkstätte mit Spenden der ohnehin armen Bewohner aus der Umgebung.

Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass die Trümmer der Lauda-Boeing nicht auf die Häuser und Hütten der Dorbewohner fielen, sondern ein Stück weiter nördlich in einen dichten Bambuswald.

Die Bewohner rund um den unzugänglichen Bambuswald waren zwar am 26. Mai die ersten an der schwer zugänglichen Absturzstelle. Aber entgegen offiziellen Berichten und Wikipedia waren es nicht - mit einigen Ausnahmen - die Dorfbewohner, die an der Absturzstelle Uhren, Geld, Schmuck und andere Dinge der Toten an sich nahmen. Vielmehr entpuppten sich die ersten "Helfer", die bei der Leichenbergung halfen, als Leichenfledderer, die wirklich alles plünderten, was ihnen unter die Hände kam und was sie tragen konnten. Und das sogar unter den Augen von Polizisten.

So schrieb eine junge Wienerin, die bei dem Absturz ihre Eltern verloren hat, daß sich in der Tasche ihres Vaters nur noch die Fotos seiner kleinen Tochter befanden. Sie war damals drei Jahre alt.

“Wir haben aber diese Leute auch bei der Bergung gebraucht”, verteidigte der Gouverneur von Supan Buri, Somnuk Girdket, die Leichenfledderer.

Dorfbewohner gaben die entwendeten Gegenstände unterdessen wieder zurück, die - inzwischen in einem gedruckten Bericht aufgelistet - mit einem Wert von damals rund 100.000 Schilling - heute etwa 10.000 Euro - eingeschätzt wurden. Drei Dorfbewohner wollten die gestohlenen Uhren aber auch nach Aufforderung durch die Polizei nicht herausgeben: Sie trugen sie weiterhin am Handgelenk. Nun sind sie in Haft und warten auf ihren Prozess, ebenso wie 19 Mitarbeiter einer Charity Foundation, eines privaten Bestattungsunternehmens, die bei der Leichenbergung geholfen und die Absturzstelle regelrecht ausgeplündert hatten. Selbst die Polizei stand machtlos daneben, das Militär traf erst Tage später ein, um für Ordnung zu sorgen. Da war aber ohnehin nichts mehr zu holen.

auffi.gif

Flugzeugteile werden streng bewacht

Betroffen und entsetzt ist wohl jeder, der so wie ich nach zwei Monaten an den Unglücksort kommt. Die Absturzstelle ist bedeckt mit den Flugzeugtrümmern, die weit verstreut in einem hügeligen Gebiet zwischen Bambusbäumen liegen. Sie werden vielleicht weggeräumt, aber vielleicht lässt man sie auch an Ort und Stelle als eine Art Gedenkstätte. Soldaten bewachen die Flugzeugteile Tag und Nacht.

absturz09.jpg
Von Soldaten wird die Absturzstelle Tag und Nacht bewacht. Es darf kein Stück davon wegkommen. Foto: Maaß


auffi.gif


Da und dort ein Flugzeugsitz, ein einzelner Schuh, ein schwarzer Badeanzug hängt auf einem Ast, Unterwäsche liegt herum. Und zwischen großen Flugzeugteilen und einem Stück des Cockpits der abgerissene Kopf eines kleinen Teddybären, der einem Kind an Bord gehört hatte. Den Anblick empfinde ich so unmittelbar, als wäre das Unglück gerade geschehen. Es gräbt sich schmerzhaft in die Seele ein und ich muß manchmal die Augen schließen, um nicht zu weinen.

absturz02.jpg
Ein Flugzeugsitz liegt etwas entfernt von den anderen Trümmern im Wald. Ein Anblick, der weh tut...

auffi.gif

Finderlohn und hohe Strafen

absturz03.jpg
Gesucht wird an der Absturzstelle immer noch nach einem fehlenden Kontrollventil, das für die Untersuchungen der Unglücksursache gebraucht wird. Es steht ja bald fest, dass es sich um ein technisches Gebrechen handelt, auch wenn zuvor von einer Bombe an Bord oder von einer schlechter Wartung der Maschine die Rede war.

Bild links:

Seit Wochen hängen die Fotos des noch immer vermissten Flugzeugteils in der Polizeistation von Dan Chang mit dem Hinweis, dass 2.500 Bath - rund 60 Euro - Finderlohn winken.


Bild unten:

Hohe Strafen drohen dagegen allen jenen, die auch nur das kleinste Ding von der Absturzstelle wegnehmen. Auf einer großen Tafel wird davor gewarnt und eine Haftstrafe von fünf Jahren sowie eine Geldbuße von 2.000 bis 5.000 Bath angedroht, das sind etwa 60 bis 120 Euro. Für die Menschen dort fast ein Vermögen: Eine Fabrikarbeiterin verdient pro Monat nur etwa 100 Euro.

absturz04.jpg

Die lezten Habseligkeiten der Toten werden eingesammelt  nachrechts.gif


auffi.gif


home.gifnews.gifportal.gifmond.gif

kugerl.gif Mondfrau kugerl.gif Impressum kugerl.gif Kontakt kugerl.gif

MONDFRAU 2006 -

mini01.gif